Antibiotika gegen Akne – 5 gute Gründe, die dagegen sprechen

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• Veranstalter der HautKongress 2018
• 12.000+ Akne-Betroffenen geholfen

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Wenn Dich Deine Akne wieder einmal besonders belastet, ist es nur verständlich, wenn Du so schnell wie möglich etwas an der Deiner misslichen Lage ändert möchtest.

Verschreibungspflichtige Medikamente gelten vielfach als die Lösung schlechthin und erscheinen daher gerade in solchen Situationen wie der sprichwörtliche Strohalm, der vor dem Ertrinken rettet.

Neben Tretinoin zählen vor allem Antibiotika zu den Klassikern der verschreibungspflichtigen Akne-Medikamente.

Sie können sowohl topisch – auf der Haut – als auch oral verabreicht werden. Bei näherer Betrachtung verlieren diese Medikamente jedoch schnell ihren Glanz und ihre Schattenseiten kommen zum Vorschein. Gerade Antibiotika halten oft nicht, was sie versprechen.

Was viele außerdem nicht wissen: Es gibt natürliche Vitamine und Spurenelemente, die richtig dosiert ähnlich gut gegen Akne wirken wie schwere Akne-Medikamente.

Im folgenden Artikel erfährst Du, warum Du von Antibiotika lieber die Finger lassen solltest, und was die besseren sowie gesünderen Alternativen sind.

So wirken Antibiotika gegen Akne

Die Grundlage von Akne sind stets Entzündungen. Einerseits handelt es sich hierbei um systemische – also irgendwo im Körper liegende – Entzündungen und andererseits um lokale Entzündungen der Haut.

Wird zu viel Talg produziert und treten zudem noch Verhornungsstörungen der Haut auf, führt dies zu verstopften Poren. Diese sind der ideale Nährboden für P. acnes Bakterien – Pickel entstehen.

Antibiotika wirken auf verschiedene Arten:

  • Sie reduzieren die Anzahl der P. acnes Bakterien und verhindern so, dass Pickel entstehen.
  • Sie wirken den Fettsäuren im Talg entgegen und lindern Entzündungen.
  • Sie reduzieren bestimmte irritierende Stoffe, die von weißen Blutkörperchen gebildet werden.

Das sind die am häufigsten gegen Akne verschriebenen Antibiotika

  • Tetracyclin

Dieses Antibiotikum sollte immer auf nüchternen Magen eingenommen werden, damit es seine optimale Wirkung entfalten kann.

Es ist nicht für Schwangere geeignet.

  • Erythromycin

Dieses Antibiotikum tötet nicht nur Bakterien, sondern hat auch potente anti-entzündliche Eigenschaften.

Somit wirkt es gut gegen Rötungen.

Dieses Antibiotikum kann auch nach dem Essen sowie von Schwangeren eingenommen werden.

  • Minocyclin

Dieses Antibiotikum wirkt besonders gut gegen pustulöse Formen der Akne vulgaris.

Obwohl die optimale Wirkung bei der Einnahme auf nüchternen Magen erreicht wird, kann es auch nach dem Essen eingenommen werden.

Minocyclin hat zahlreiche Nebenwirkungen:

  • Übelkeit
  • Schwindelgefühl
  • Erbrechen
  • Veränderungen der Hautpigmentierung
  • Farbveränderungen der Zähne nach Langzeiteinnahme
  • Doxycyclin

Dieses Antibiotikum ist hauptsächlich ein Ausweichpräparat, wenn andere Antibiotika nicht vertragen werden.

Es muss nach dem Essen eingenommen werden, da es sonst zu Übelkeit führt.

  • Clindamycin

Dieses Antibiotikum wird häufig zur äußerlichen Anwendung verschrieben, wirkt jedoch auch oral verabreicht gegen Akne.

Die häufigsten Nebenwirkungen von Antibiotika

antibiotika-gegen-pickel-2Bei der Einnahme von Antibiotika können folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Vaginalinfektionen (besonders Tetracyclin)
  • Eine verminderte Wirkung der Anti-Baby-Pille
  • Eine der gefährlichsten Nebenwirkungen von Clindamycin ist eine schwere Infektion des Darms.
    Bei dieser vermehrt sich das natürlicherweise im Darm vorkommende Bakterium Clostridium difficile so stark, dass es zu lebensbedrohlichen Durchfällen kommt.
  • Störungen des Verdauungssystems; da Antibiotika nicht nur die bösen, sondern leider auch die guten Bakterien töten, kannst Du durch die Einnahme von Antibiotika Dein Verdauungssystem stark durcheinander bringen.
    Dieses ist auf gute probiotische Bakterien angewiesen, die von Antibiotika leider auch angegriffen werden.
    Darüber hinaus können Antibiotika auch zu schweren Erkrankungen des Verdauungssystems wie etwa der pseudomembranösen Colitis, einer speziellen Form der Dickdarmentzündung, führen.
  • Besonders Doxycyclin kann eine erhöhte Sonnenempfindlichkeit der Haut und eine damit verbundene erhöhte Neigung zu Sonnenbränden hervorrufen.
  • Die Entwicklung einer Antibiotikaresistenz; Antibiotika wirken dann nicht mehr, was besonders bei schweren Krankheiten schlimme Folgen haben kann.

5 Gründe, die gegen die Einnahme von Antibiotika sprechen

1. Antibiotika wirken gar nicht so gut gegen Akne

Obwohl es Studien gibt, die die Wirksamkeit von Antibiotika gegen Akne deutlich infrage stellen, werden diese immer noch häufig gegen Akne verschrieben.
So konnte zum Beispiel in einer in Großbritannien durchgeführten Studie bei 82 Prozent der Teilnehmern auch nach mehreren Behandlungsdurchläufen mit Antibiotika keine Besserung von Akne festgestellt werden.

Eine andere Studie hat gezeigt, dass das P. acnes Bakterium über die Jahre zunehmend resistent gegen Antibiotika geworden ist.

Tatsächlich stieg die Resistenz von 20 Prozent im Jahr 1978 auf 62 Prozent im Jahr 1996.

2. Antibiotika bekämpfen nur die Symptome von Akne, nicht jedoch die Ursachen

Antibiotika wirken zwar gegen P. acnes Bakterien, nicht jedoch gegen die Ursachen, die Akne zugrunde liegen.

Eine Studie hat eindeutig festgestellt, dass P. acnes Bakterien noch gar nicht vor Ort sind, wenn der Entstehungsprozess von Akne startet.

Sie begünstigen zwar Entzündungen, sind aber nicht die Ursache dafür, dass ein Pickel entsteht. Diese liegen wesentlich tiefer und hängen mit verschiedenen Faktoren wie Hormonen und einer unausgeglichenen Darmflora zusammen.

Sind der Hormonhaushalt und/oder die Darmflora durcheinander, kommt es zu übermäßiger Talgproduktion und schließlich zu verstopften Poren.

In diesen kann sich P. acnes schließlich ansiedeln und Pickel entstehen.

Daher ist es viel wichtiger, dass Du die Ursachen der erhöhten Talgproduktion angehst.

Auf diese Weise entziehst Du Bakterien nämlich gleich den Nährboden und sie siedeln sich erst gar nicht an.

Um den Ursachen von Akne Herr zu werden, solltest Du daher ganzheitliche Ansätze verfolgen, und Deine Ernährungsgewohnheiten sowie Deinen Lebensstil einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Achte auf eine gesunde Darmflora sowie Deinen Blutzucker, um Akne bereits in der Entstehung zu bekämpfen.

3. Antibiotika machen Bakterien letztendlich nur stärker

Je mehr Antibiotika Du nimmst, desto eher werden Bakterien gegen diese resistent. Dies gilt nicht nur für P.acnes Bakterien, sondern für alle, und kann bei schweren Erkrankungen zu einem ernsthaften Problem werden.

Dann haben Ärzte nämlich keine Möglichkeit mehr, lebensbedrohliche Infektionen zu behandeln, da Antibiotika keine Wirkung mehr zeigen.

Besonders bekannt ist in diesem Zusammenhang MRSA, der sogenannte Krankenhauskeim.

Bei diesem handelt es sich um einen multiresistenten Bakterienstamm, der schwerwiegende Infektionen der Lunge sowie anderer Organe hervorruft und vor allem in Krankenhäusern auftritt.

Nicht umsonst gilt Antibiotikaresistenz heutzutage als eines der größten Gesundheitsprobleme weltweit.

Das übermäßige Verschreiben von Antibiotika gegen Akne verschlimmert dieses Problem nur und trägt wesentlich zur Herausbildung resistenter Bakterien bei.

4. Antibiotika haben schwerwiegende Nebenwirkungen

Wie bereits erwähnt, können Antibiotika schwere Nebenwirkungen haben.

Bei Akne kann die Einnahme von Antibiotika sogar kontraproduktiv sein:

Antibiotika haben großen Einfluss auf die Darmflora, da auch diese mit Bakterien besiedelt ist. Dort befinden sich sowohl gute probiotische Bakterien als auch schlechte Bakterien.

In einer gesunden Darmflora sind immer die guten Bakterien in der Überzahl.

Durch die Einnahme von Antibiotika kann dieses Gleichgewicht gestört werden, sodass die schlechten Bakterien die Oberhand gewinnen.

Dies führt nicht nur zu Verdauungsstörungen bis hin zu schweren Erkrankungen, sondern verschlimmert auch Akne. Eine ausgeglichene Darmflora ist nämlich eine der wichtigsten Grundlagen für eine aknefreie Haut.

5. Es gibt viel effektivere Behandlungsmethoden gegen Akne als Antibiotika

Was das betrifft, musst Du gar nicht erst an andere Medikamente wie Tretinoin denken.

Oft reicht nämlich schon die Zufuhr bestimmter Vitamine und Spurenelemente, um sichtbare Ergebnisse zu erzielen.

So hat zum Beispiel eine türkische Studie eindeutige Zusammenhänge zwischen Akne und einem zu niedrigen Zink-Level gezeigt.

Bei genauerer Nachforschung konnte eine ähnliche Wirksamkeit von Zink wie jene des Antibiotikums Minocyclin belegt werden. Das Tolle daran: Zink ist nicht nur einfach und preiswert erhältlich, sondern – richtig dosiert – auch frei von Nebenwirkungen.

Andere Studien haben gezeigt, dass Aknepatienten oft niedrigere Level an Vitamin A, E und C im Blut haben.

Daher kann auch eine Supplementierung mit diesen Vitaminen tolle Erfolge bringen.

Allgemein ist die Einnahme eines Vitamin-Komplexes für reine Haut immer eine gute Idee, da Du Deinem Körper so alle wichtigen Vitamine und Spurenelemente lieferst, die er für eine gesunde und reine Haut benötigt.

Viele Vitamine und Spurenelemente bekämpfen nämlich die Ursachen von Akne und das auf natürliche und absolut unbedenkliche Weise.

Also, warum solltest Du Deinen Körper mit schweren Medikamenten belasten, wenn Du Dein Ziel einfacher und effektiver auf natürliche Weise erreichen kannst?

Antibiotika halten nicht, was sie versprechen

Keine Frage, es gibt sicherlich Fälle, in denen die Einnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten gegen Akne sinnvoll ist und die lang ersehnte Linderung bringt. Diese sollte jedoch den Blick auf die eigentlichen Ursachen und einen ganzheitlichen Lösungsansatz nicht verhindern.

Antibiotika lindern nur die Symptome, nicht jedoch die Ursachen von Akne. Diese sollte aber keinesfalls ignoriert werden, auch wenn sie dank Medikamenten kaum mehr sichtbar sind.

Nur, wenn Du das Problem Akne an der Wurzel packst, kannst Du es von Grund auf lösen. Dies führt nicht nur zu einem langfristigen Erfolg im Kampf gegen Deine Akne, sondern erspart Deinem Körper auch die zahlreichen unangenehmen Nebenwirkungen von Anti-Akne-Medikamenten.

Gerade Antibiotika haben zahlreiche Nebenwirkungen und sind dabei nicht einmal besonders effektiv gegen Akne. Selbstverständlich müssen diese Nebenwirkungen nicht zwangsläufig auftreten, sie stellen jedoch stets ein gewisses Risiko dar.
Im Großen und Ganzen gibt es wesentlich mehr, das gegen die Einnahme von Antibiotika spricht als dafür.

Erwähnte Studien (bitte klicken):
  • Goulden V1, Clark SM, Cunliffe WJ. Post-adolescent acne: a review of clinical features. Br J Dermatol. 1997 Jan;136(1):66-70.
  • Med J Aust. 1998 Sep 7;169(5):259-61. Systematic review of Propionibacterium acnes resistance to systemic antibiotics. Cooper AJ1.
  • Dr E. Anne Eady, Jonathan H. Cove Is Acne an Infection of Blocked Pilosebaceous Follicles?American Journal of Clinical Dermatology. July 2000, Volume 1, Issue 4, pp 201-209
  • Ozuguz et al. Evaluation of serum vitamins A and E and zinc levels according to the severity of acne vulgaris. Cutan Ocul Toxicol. 2013 Jul 5
  • Cunliffe WJ, et al. A double-blind trial of a zinc sulphate/citrate complex and tetracycline in the treatment of acne vulgaris. Br J Dermatol. 1979 Sep;101(3):321-5.
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/159714
  • El-Akawi Z, et al. Does the plasma level of vitamins A and E affect acne condition? Clin Exp Dermatol. 2006 May;31(3):430-4.
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16681594
  • Sardana K, Garg VK. An observational study of methionine-bound zinc with antioxidants for mild to moderate acne vulgaris. Dermatol Ther. 2010 Jul-Aug;23(4):411-8. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20666829

3 thoughts on “Antibiotika gegen Akne – 5 gute Gründe, die dagegen sprechen

  1. Timo says:

    Nach dem Artikel hat man wahrlich nicht mehr den Drang Antibiotika gegen Akne einzusetzen. Damit ist das Ziel des Artikels wohl erreicht. Ich persönlich würde auch jedem dazu raten, den Einsatz von Antibiotika so weit es geht herauszuzögern. Bei mir hat es zwar gut gegen Pickel gewirkt, aber eine dauerhafte Lösung ist es bei weitem nicht. Letztendlich sind die richtige Ernährung und Pflege das einzige was die Pickel auf dauer fern hält.

  2. Larissa says:

    Liebe Ulrike
    Danke für den Artikel! Ich kann die Argumente absolut nachvollziehen und finde es selber nicht die allerbeste Lösung, aber ich überlege mir gerade, Tetralysal zu nehmen. Ich habe wirklich alles versucht (jegliche Ernährungsumstellungen, Homöopathen, Meditation, Mönchspfeffer, Nachtkerzenöl, Pro- und Präbiotika, Verdauungsenzyme und vieles mehr) und es hat absolut nichts geholfen. Was würdest du empfehlen? Liebe Grüsse

    • Ulrike says:

      Hallo Larissa,
      eine eindeutige Antwort zu geben, ist immer schwierig. Auf jeden Fall solltest Du Dich umfassend von mindestens einem Hautarzt beraten lassen, bevor Du Dich für eine Therapie mit Antibiotika entscheidest. Letztendlich musst Du die Vor- und Nachteile für Dich abwiegen, wobei ich sehr gut verstehen kann, dass Du bei einer entsprechend schweren Form von Akne sehr zu Antibiotika tendierst.

      Hast du als äußerliche Ergänzung zu einer allgemein gesunden Lebensweise schon BPO-Gel probiert?
      Dieses wirkt in der Regel sehr gut gegen Pickel verursachende P. acnes Bakterien und ist für uns daher eine so gut wie unverzichtbare Ergänzung zu einer gesunden Ernährung, Sport, möglichst wenig Stress sowie einer umfassenden Versorgung mit allen wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen.
      Bei weiteren Fragen stehe ich natürlich gerne zur Verfügung!

      Liebe Grüße
      Ulrike

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